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Wir freuen uns, von Ihnen zu hören

 

Falkenjagd Titan Bikes ®
Eingetragener Handwerksbetrieb der Handwerkskammer für München und Oberbayern
Lehrstätte für Zweiradmechatronik & Groß- und Außenhandelskaufmann/-frau
Rathausplatz 13
Ladengeschäft 2

D-85748 Garching

Telefon: +49 (0)89 88903651

E-Mail: info(at)falkenjagd-bikes.com

Internet: www.falkenjagd-bikes.de

 

Vereinbaren Sie bitte telefonisch / per Mail vorab einen Termin und besuchen Sie uns anschließend im Ladengeschäft!
Dort können Sie dann auch direkt zur Probefahrt mit unseren Testrädern durchstarten.

 

Zu folgenden Öffnungszeiten sind wir nach Terminvereinbarung gerne für Sie da:

Montag bis Freitag: 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Sie auf Grund unserer Kapazitätsauslastung ohne Termin NICHT beraten können.

 

Aktuelle Lieferzeiten per 01.02.2021

Liebe Kunden,

ein neues Fahrrad zu bekommen, ist eine aufregende Sache. Und ein toller Moment im Leben. Niemand kann das mehr verstehen als wir. Daher ein kurzes Update zu unserer Liefersituation für 2021. Wo soll ich anfangen und wie weit ausholen? Die wichtigste Botschaft vorne weg: Wir sind lieferfähig! Wir mussten noch keine Preiserhöhungen ansetzen! Die Lieferzeit kann – je nach Modell – zwischen 2 Monaten und 6 Monaten dauern! Wer also 2021 rechtzeitig sein Rad erhalten möchte, sollte so früh wie möglich bestellen. Das sage ich nicht, um künstlich einen Nachfragedruck zu erzeugen, aktuell haben wir ohnehin noch immer gut 300 Räder im Vorlauf, das obwohl die Saison eigentlich noch gar nicht begonnen hat; sondern weil schlichtweg mehr Bestellungen rein kommen als Fahrräder aufgebaut werden können. Aber deswegen nicht aufgebaut werden können, weil keine Teile da sind, vielmehr weil einfach unser Tag leider auch nur 24 Stunden zählt. Die goldene und ausgleichende Mitte scheint es derzeit auch bei uns nicht zu geben: Die einen Firmen, die sich rechtzeitig und besonnen aufgestellt haben – so wie wir –  haben viel zu viel zu tun, andere hingegen wären froh drum…

Doch warum ist dem so? Erleben wir einen Fahrrad-Boom oder doch eine Krise? Sind lange Lieferzeiten durch limitierte Verfügbarkeit auf Angebotsseite oder doch die generell erhöhte Nachfrage verantwortlich an diesem Dilemma? Durchlebe ich gerade einen Traum oder Albtraum, sehe ich für unser Unternehmen eher eine Chance oder überwiegt doch ein unkalkulierbares Risiko?

Fakt ist, für 2021 sind wir gut gerüstet und wir werden auch die nächsten Jahre sicher durch unruhige Gewässer segeln. Unsere Stahl- und Titan-Fahrräder erfahren gerade in Zeiten von Nachhaltigkeit und ökologischen Mobilitätsanforderungen einen regelrechten Nachfrage-Boom. Fakt ist aber auch, dass zahlreichen Händlern und Kleinherstellern Pleiten drohen werden; ich erwarte daher eine aufreibende nächste Saison, in der vieles fehlen kann – vor allen Dingen Planungssicherheit und Produktverfügbarkeit. Was nicht bereits vorgeordert wurde, wird sich verzögern und erst spät geliefert werden. Lieferzeiten sind für einige Produkte von wenigen Monaten auf Jahre (!!) geschossen – Besserung ist leider nicht in Sicht. Umso erfreulicher nun für uns, dass wir diese Entwicklung bereits letztes Jahr haben kommen sehen und unsere Zulieferer sich mit festen Kontingenten zum Teil bis 2023 comittet haben.

Natürlich sind wir seit Jahren in der Industrie bestens mit den Schlüsselunternehmen vernetzt. Unser Vitamin „B“ hilft uns da schon auch mal weiter, auch wenn ich das an dieser Stelle nicht so laut sagen sollte. Umgekehrt kommt nichts von ungefähr. Unsere Unternehmensstrategie zahlt sich nun aus: wir haben diese seit jeher auf strategische Partnerschaften ausgelegt: Beispiel Reifen: hier verbauen wir ausschließlich nur Schwalbe, also keine Conti, WTB, oder sonstige Mäntel. Oder Schaltungen: hier haben wir uns ganz klar auf Campa fokussiert. Für viele ein Aussenseiter am Schaltungsmarkt, für uns schon lange die Referenz für Rennrad- und Gravel Schalungen. Anderes Beispiel, Bremsen: hier verbauen wir ebenfalls ausschließlich Magura oder Hope. Kein Sram, oder Tektro, TRP oder Formula – nicht weil sie schlecht sind, sondern weil man sich manchmal entscheiden muss. Im Gegenzug sind unsere Vororder bereits jetzt schon bis Ende 2023 (!) bestätigt. Wir bekommen also noch Teile, während andere Hersteller überlegen, ihre Räder ohne Griffe oder Bremsen auszuliefern. Oder ihre Räder erst gar nicht mehr über ihr Händlernetz zu vertreiben, sondern mangels Alternativen lieber nur noch direkt. Ein Schlag ins Gesicht für so manchen Händler. Umgekehrt heisst es beim Konfigurieren Ihres Traumrades, dass so manche Komponente nicht mehr verfügbar ist und wir tatsächlich nur auf die angebotenen Komponenten zugreifen können, also auch nicht auf andere Produkte des selben Herstellers. Um das besser verstehen zu können, müsst ihr wissen, dass wir Komponenten palettenweise erhalten, und nicht 4 Stück hiervon und 8 Stück davon bestellen. Die heisse Schlacht am kalten Buffet findet 2021 ff. also mit weniger Auswahl statt. Manchmal erwische ich mich, dass ich zu meinen Kollegen aus dem Vertrieb sage, dass die Kunden froh sein können, wenn sie ihre Räder überhaupt mit Reifen erhalten. Dann werde ich kurz verdutzt angesehen. Wer Einzelbestellungen erwartet, ist noch nicht im hier und heute angekommen. Hört sich überheblich an, ist aber nicht so gemeint. Es soll verdeutlichen, welcher Druck auf der Zulieferpipeline herrscht.

Verrückt oder? Doch woran liegt das? Was ist die Ursache dafür? Die Gründe hierfür sind vielschichtig.

Coronabedingte Gründe:
Zu Beginn des Jahres 2020 kam es pandemiebedingt zum Shutdown von Produktionsstätten in Taiwan, China und anderen Teilen Asiens. Zu einer Zeit, in der sich Europa und Amerika noch in Sicherheit wogen, fanden die Probleme, die wir in 2020 bereits erfuhren und jetzt in 2021 mit voller Wirkung spüren, ihren Anfang: Rahmen, Komponenten und Zubehör wurden nur noch eingeschränkt produziert, Lieferketten gestört und teilweise sogar unterbrochen, was de facto einen Produktionsausfall von mehreren Monaten bedeutet. Dies kann auch nicht wieder so ohne Weiteres aufgeholt werden. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf. Der erste Lockdown bedeutete einen großen Schock für viele Industrien, es dauerte nicht lange bis das Thema „Fahrradmobilität“ und als optimale Lösung für Fitness, Verkehr und individueller Freizeitgestaltung Fahrt aufnahm. Die ersten Lockdown-Lockerungen kamen und Verkaufszahlen sowie Nachfrage nach Bikes schossen erwartet / unerwartet in die Höhe. Wer in der Schockphase des ersten Lockdowns Bestellungen oder Produktionskapazitäten in Asien gecancelt hatte, dem konnte es passieren, dass er gar nicht produzieren konnte, weil eine andere Marke – so wie zum Beispiel wir – den Produktionsslot übernommen hatte. Das Dilemma: Einerseits standen die Bänder vieler Unternehmen für mehrere Monate in dieser Saison still. Andererseits war die Nachfrage derart sprunghaft angestiegen, dass Zulieferer den Bedarf schon für 2020 kaum mehr bedienen konnten. Das Nadelöhr ist und bleibt die bestehende Produktionskapazität. Abgesehen von dem nicht wieder aufzuholenden Produktionsausfall liegen die großen Herausforderungen der meist asiatischen Produzenten in der Skalierung der Produktion, um der erhöhten Nachfrage Herr zu werden, sowie der Qualitätssicherung. Hinzu kommt, dass die Produktionskraft noch nicht einmal jetzt auf Vorjahresniveau 2019 ist. Es gab unter dem Strich bereits 2020 also nicht mehr, sondern tendenziell weniger Ware als im Vorjahr.

Fehlende Kapazitäten:
Zu Beginn des Jahres 2020 wurden Wanderarbeiter coronabedingt entlassen, reisten in ihre Heimat und sind zum Teil noch nicht wieder an ihren alten Arbeitsplatz zurückgekehrt. Als man sie wieder benötigte, haben Einreisesperren aus gewissen Ländern sowie eine erschwerte Wiedereinreise, Quarantäne und zu wenig dafür verfügbare Hotels die Arbeitswiederaufnahme erschwert. Die fehlende Manpower, die kurzzeitig ein Vakuum hinterlassen hat, konnte nicht wieder komplett geschlossen werden. Die daraufhin neu eingestellten Arbeiter mussten erstmal neu eingelernt werden. Ein weiterer Faktor: Aufgrund der Corona-Regeln schafft kaum ein Produzent 100 % Output wie früher. Derzeit steht nach Angabe vieler Zulieferer die Produktion aktuell bei rund 80 % im Vergleich zu 2019.

Fehlende Container:
Hinzu kommen komplexere Lieferwege, erhöhte Frachtkosten und unklare Lieferzeiten. Die Kosten für Luftfrachten haben sich durch fehlendes Volumen im deutlich reduzierten Flugverkehr der Passagierflugzeuge verzehnfacht (!). Bislang wurde ein großer Teil der Bikes über den Seeweg nach Europa gebracht – doch auch die Frachtkapazitäten der Container-Reedereien sind massiv eingeschränkt und die parallel hohe Nachfrage aus Asien sorgt auch hier für neue Herausforderungen: Viele Güter werden von Asien nach Europa verschifft, aber nur wenig von Europa nach Asien, denn die Produktivität der EU ist durch den Dauer-Lockdown massiv eingebrochen. Die Paarigkeit ist nicht mehr gegeben und die Leercontainer erhöhen auch hier den Preis. Aufgrund der Tatsache, dass die Bikes schon Lieferverzögerungen haben, setzen Hersteller auf den (nun nochmal) deutlich teureren Luftweg, um Zeit gutzumachen. Die Preise werden selbstverständlich auf die Bikes aufgeschlagen!

Unnatürliche Blasenbildung:
Jeder gibt sein Bestes, trotz besagter Umstände alles auf die Reihe zu kriegen. Zwangsläufig müssen wir uns aber mit Kompromissen abfinden – Bike- und Komponenten-Hersteller genauso wie Endkunden. Viele Hersteller möchten die phänomenalen Verkaufszahlen von 2020 in dieser Saison wiederholen. Somit wurden OEM-Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht, teils verdoppelt oder noch mehr! Wohlgemerkt, dies bei noch nicht wiederhergestellten Kapazitäten! Die Schere von Angebot und Nachfrage geht also weiter auseinander. In Anbetracht des großen Produktionsausfalls im Frühjahr 2020, lautet die gute Nachricht für 2021: dieses Jahr wird es nicht weniger Bikes als in 2020 geben.

Drohende Preiserhöhungen bereits jetzt:
Es braucht keine Befragung des Hellsehers Kalchas, um die Folgen für die Preisentwicklung abzuschätzen. Gesunkene Effizienz in der Produktion sowie höhere Logistik- und Koordinationskosten werden den Preis erhöhen! Hinzu kommt die allgemein erhöhte Nachfrage und überfüllte Auftragsbücher. Aktuell haben viele Hersteller ihre Preise um bis zu 10 %, in Einzelfällen sogar um bis zu 15 % erhöht. Im Highend Bereich werden die Bikes auch mal um 2000 € teurer. Wir haben per Februar 2021 von Preiserhöhungen abstand genommen, da wir den gestiegen Wechselkurs zu Gunsten des Euros gegenüber dem Dollar an die Kunden durchgereicht haben. Sollte der Wechselkurs drehen, werden auch wir eine Preiserhöhung umsetzen müssen.

Fehlende Planungssicherheit
Ab nächstem Jahr geben einige Hersteller gar keine bestätigten Liefertermine mehr heraus – exakte Planung? Unmöglich! Mit den Folgen werden wir nicht nur 2022, sondern auch noch 2023 zu kämpfen haben. Manche Komponenten haben aktuell schon Lieferzeiten von bis zu 500 Tagen, also bis Ende 2023. Das kann dazu führen, dass fast fertige Bikes nicht ausgeliefert werden können, weil kleine entscheidende Teile wie beispielsweise ein simpler Steuersatz fehlen. Und das ist genau die Krux: Ein Hersteller konnte vielleicht seine Rahmen produzieren, hat aber keine Bremsen, Sattelklemmen oder Vorbauten mehr bekommen – ergo kann der Hersteller seine Bikes nicht ausliefern.

Gehen die kleinen Hersteller, Manufakturen und Händler unter?
Meine Meinung: einige leider ja. Trotz Boom-Branche wird es massive Pleiten geben. Es ist bereits ein enormes Risiko im Markt, da im Zuge dieser Blasenbildung – getrieben durch Gier – doch der ein oder andere Hersteller verbrennt. In Krisenzeiten gewinnt, wer die Mittel hat oder schnell und klar agiert, in Problemen Chancen sieht sowie Mut und kalkulierbare (!) Risikobereitschaft mitbringt. Aber auch kleine Fehler können zu großen Problemen werden. Eine zu spät platzierte Vororder kann dieses Jahr schon dafür sorgen, dass man in der nächsten Saison ohne Ware dasteht. Die zuerst noch abstrakte Bedrohung hat bereits konkrete Züge angenommen. Der Kampf um Produktionskapazitäten, Vorkaufsrechte und Kontingente hat bereits im Sommer 2020 nach der Phase des ersten Lockdowns begonnen und sorgte bereits 2020 für visibele Marktverdrängungen.

Wie verhalten als Kunde?
So viel vorweg: 2021 wird es auch bei uns zu zahlreichen Belastungsspitzen kommen. Für Kunden gleichermaßen, wenn es um Wartezeiten geht. Wer sich erst dann darum kümmert, wenn das Wetter schön und die Temperaturen wieder warm sind, der wird wohl für viele seiner Vorhaben zu spät dran sein. Mit einem antizyklischen Verhalten hingegen kommt ihr mit weniger Stress und Druck zum Ziel. Daher mein Rat: Zieht die Kaufentscheidung nicht hinaus. Zudem solltet ihr etwas mehr Flexibilität und Kompromissbereitschaft mitbringen und ggf. auch offen für Alternativen sein. Wichtig ist aber auch zu akzeptieren, dass es in der Rad-Branche es nicht so läuft wie bei Amazon – gerade in der aktuellen Zeit können sich Lieferzeiten scheibchenweise immer wieder weiter verzögern. Dass Bikes in Zukunft wieder günstiger werden, davon kann man nicht ausgehen. Wer kaufen muss, der sollte das schleunigst tun. Wer noch warten kann, der wird realistisch erst ab Anfang 2023 mit „normalen“ Verhältnissen rechnen dürfen.

Wie geht es weiter?
Aller Unsicherheit und Unwägbarkeiten zum Trotz wird es immer ein Morgen geben. Umstände ändern sich tagtäglich. Wenn wir uns nicht entsprechend anpassen, heißt es wie schon immer in der Entwicklungsgeschichte nach Darwin: „The survival of the fittest“. Wenn wir als Industrie heute den Mut und die Weitsicht haben, die richtigen Entscheidungen, für die in Zukunft relevanten Themen zu treffen, dann kommen wir automatisch zum Ziel. Denn damit bauen wir nicht nur eine sichere Zukunft, sondern vermeiden auch möglichen Frust und sorgen für zufriedene, glückliche Kunden. Sich über steigende Preise, lange Liefer- und Servicezeiten aufzuregen ist einfach, doch die Realität dahinter ist meist komplexer. Klar ist es frustrierend und nervig, sein heiß geliebtes Hobby in der aktuellen Situation nicht ganz so ausüben zu können, wie man es bislang gewohnt war. Aber alles hat seine Ursachen, da müssen Sie als Kunde und wir als Hersteller gemeinsam durch! Ihr seid uns als Kunde sehr wichtig, aber auch wir benötigen ab und an Eure Nachsicht – also am Ende meiner Ausführung alles eine Frage der Balance und das Einpendeln in eine goldene Mitte! Hierzu passt kaum ein Zitat treffender wie das von Albert Einstein: „Das Leben ist wie Radfahren. Man muss in Bewegung bleiben, um das Gleichgewicht zu halten.“

In diesem Sinne, viele Grüße,

Euer Andreas